Diese liegt im ersten Stockwerk des Palazzo dei Normanni. Geweiht wurde sie auf Veranlassung Rogers II. dem heiligen Apostel Petrus, wie man aus einem Schreiben des Jahres 1132 weiß, das also noch weitaus älter ist als das offizielle Dokument des Jahres 1140. Die Inschrift an der Basis der Kuppel trägt das Datum 1143. Dadurch ergibt sich eine zeitliche Übereinstimmung mit den Mosaiken des Presbyteriums. Die Mosaiken in den Seitenschiffen fallen somit von ihrer Entstehung her in die Regierungszeit Wilhelms I., was auch durch eine stilistische Analyse bestätigt wurde.
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Die Cappella Palatina ist unter kunsthistorischen Gesichtspunkten das bedeutendste Beispiel des Nebeneinanders von Kulturen, Religionen und Denkweisen, die augenscheinlich miteinander nicht vereinbar waren. Dank der umsichtigen Herrschaftsweise Rogers II. konnten ungeachtet dessen bei der Errichtung und Einrichtung dieses Bauwerkes Künstler aus dem byzantinischen, arabischen und abendländischen Kulturkreis herangezogen werden. Die Kapelle entstand, um den liturgischen Anforderungen des lateinischen und griechischen Ritus gerecht zu werden. Das zeigt auch der lateinische Grundriss des an eine Basilika erinnernden dreischiffigen Bauwerkes und das nach byzantinischer Art errichtete Presbyterium, über das sich eine Kuppel erhebt.
Das eindrucksvollste Bild ist das des segnenden Christus Pantokrator, das sich in der Kuppel befindet und das nach klassisch byzantinischem Vorbild ausgeführt wurde. Von Interesse ist die Wiederholung dieses Bildes in der Kalotte der mittleren Apsis, wo es die Funktion der Fürbitte für diejenigen übernimmt, die sich in die Kirche begeben. Unter den ältesten Mosaiken im Diakonikon ist dasjenige mit der Taufe Christi hervorzuheben, ein Werk, das zugleich eine künstlerisch gelungene Darstellung der Wasser des Flusses Jordan aufweist.
Bilder der Heiligen und der Kirchenväter finden sich auf den Pilastern und den Zwickeln der Bögen.
In den Seitenschiffen, die unter Wilhelm I. ausgeschmückt wurden, finden sich Darstellungen von Episoden aus dem Leben des heiligen Petrus und des heiligen Paulus und in der Kirchenmitte Szenen aus dem Alten Testament. Der für die Osterkerze bestimmte Marmorkandelaber, der sich am Ambo befindet, ist eine elegante Arbeit und vermutlich das Werk von Künstlern, die von ihrem Stil her mit Norditalien in Verbindung zu setzen sind.
Arabischen Handwerkern zuzuschreiben ist die Muqarnas-Decke über dem zentralen Kirchenschiff. Diese ist ein kostbares und in der Welt einzigartiges Beispiel für islamischen Bilddekor, auf dem in einem dem Kultus dienenden Gebäude menschliche Figuren wiedergegeben sind. Es handelt sich hier um eine Holzstruktur von größter Feinheit, die aus einzelnen Teilen in Gestalt von Stalaktiten und Kassettenfeldern besteht und an eine Grotte erinnert.
Eine Inschrift auf Lateinisch, Griechisch und Arabisch aus dem Jahre 1142, die sich auf die Wasseruhr bezieht, die Roger II. errichten ließ, bezeugt ebenfalls die Einflüsse verschiedener Kulturkreise im Palermo der Normannenzeit. Diese Inschrift befindet sich im zweiten Säulengang des Maqueda Hofs kurz vor dem Vestibül der Cappella Palatina in Richtung der in den Brunnenhof führenden Treppe. Die hier angebrachte Inschrift lautet auf Italienisch gemäß der griechisch-byzantinischen Version: „O meraviglia nuova! Il forte Signore Ruggiero avendo avuto lo scettro da Dio, frena il corso della fluida sostanza, la cognizione distribuendo scevra di errori delle ore del tempo. Nel mese di marzo indizione quinta e di nostra salute l`anno 1142, e del suo felice regno l`anno XIII”.
Die Mosaiken im Vestibül stammen aus dem beginnenden 19. Jahrhundert und sind ein Werk von Santi Cardini und Pietro Casamassima. Wiedergegeben sind auf diesen von Ferdinand III. aus der Bourbonendynastie in Auftrag gegebenen Arbeiten die Geschichten um Absalon, den rebellischen Sohn König Davids. Im Medaillon des Mosaiks sind Ferdinand III., seine Frau Maria Carolina und der gekrönte Genius von Palermo dargestellt.










Cappella Palatina









